28.11.2018

Kunstwerk der Woche

Wachsstock, Süddeutschland, um 1800

Wie Mariä Lichtmess tags zuvor ist der 3. Februar, an dem das Fest des heiligen Blasius gefeiert wird, ein Lichterfest. Vielerorts sprechen Priester über zwei gekreuzten Kerzen den „Blasiussegen“ zum Schutz vor Halskrankheiten. Dieser Tag ist auch der erste von drei „Schlenkerltagen“, an denen in der bäuerlichen Gesellschaft der Umzug zum neuen Arbeitgeber anstand. Spezielle Wachs-Dulten boten ein reichhaltiges Angebot an Kerzen und Wachsstöcken an. Letztere wurden traditionellerweise an weibliche Mitglieder der Hausgemeinschaft verschenkt. In der dunklen Jahreszeit beleuchteten sie während der Morgen- und Abendandacht das Gesangbuch – deshalb auch die standfesten Formen. Der abgebildete Wachsstock besteht aus einem rund zwölf Zentimeter hohen, oval gewickelten Strang. Auf der Vorderseite umgibt eine grüne Wachsgirlande mit eingezwicktem Blattmuster, aufgesetzten Metallrosetten und Zinndiamanten ein vertieftes Bildfeld, das durch eine eingesetzte Glasscheibe geschützt wird. Das Miniaturrelief mit dem letzten Abendmahl ist aus sieben Wachssorten modelliert. Ein eingefügter Aufhänger aus Draht weist darauf hin, dass dieses äußerst aufwendige Exemplar speziell als Zimmerschmuck und nicht zum Abbrennen gedacht war.

Münchner Kirchenzeitung

©Diözesanmuseum Freising